Fakten zum Treibhausgas-Ausstoß

40.6

Gigatonnen CO2 weltweit im Jahr 2022

750

Mio. Tonnen CO2e in Deutschland 2022

10.6

Tonnen CO2e pro Einwohner in Deutschland 2022

202.7

Gramm je Liter stilles Mineralwasser

Quellen: EU-Kommission, Umweltbundesamt, eigene Berechnung

Ein umstrittener Begriff: "Klimaneutralität"

Klimaneutralität (engl. climate neutrality) meint das Gleichgewicht zwischen der Emission von Treibhausgasen (THG, engl. greenhouse gases - GHG) und deren Aufnahme aus der Atmosphäre in sog. Senken.

Die wissenschaftliche Definition von Klimaneutralität („climate neutrality“) nach dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) berücksichtigt zusätzlich nicht-treibhausgasbezogene Klimaeffekte, etwa die regionale Klimabeeinflussung durch den Strahlungsantrieb von Kondensstreifen, biophysikalische Aspekte wie die Veränderung des Albedo (Rückstrahlkraft der Erde) und das Einleiten von warmen Abwässern in Flüsse. Solche Faktoren müssen ebenfalls netto-null betragen oder ausgeglichen werden.

Die Europäischen Klimaziele beziehen sich auf "Netto-Null-Emissionen" (EU Green Deal) oder "Treibhausgasneutralität" (BMU Klimaschutzplan 2050). In beiden Fällen ist dabei der Zustand gemeint, in dem ein Gleichgewicht zwischen der Emission von Treibhausgasen (CO2, Methan, u.a.) und deren Aufnahme aus der Atmosphäre in Senken herrscht.

Mit dem 2015 auf der 21. Weltklimakonferenz COP21 geschlossenen Paris Agreement zur Begrenzung der globalen Erwärmung ("2°C-Ziel") wurde der Klimaschutz als zentrale strategische Herausforderung der Weltgemeinschaft anerkannt. Die EU-Kommission will hier eine Vorreiterrolle einnehmen und Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent machen.

Warum aber ist der Begriff „Klimaneutralität“ umstritten? Klimaneutralität ist in aller Munde und wird leider häufig auch für „Greenwashing“ genutzt. Dem will die EU einen Riegel vorschieben und erarbeitet derzeit die sogenannte „Green Claims Directive“. Nach dieser dürfen „grüne“ Begriffe nur dann verwendet werden, wenn sie belastbar sind, auf einem international anerkannten Regelwerk basieren und die Aussagen unabhängig extern verifiziert wurden.

Mit der im November 2023 veröffentlichten Norm ISO 14068-1:2023-11 wurde ein Standard zu den Anforderungen von „Carbon Neutrality“ und auch zur Nutzung dieses Begriffs geschaffen. Da es derzeit noch keine deutsche Übersetzung der Norm gibt, raten wir aktuell davon ab, nach einer erfolgreichen Verifizierung gemäß ISO 14068-1 auf den Claim „Klimaneutral“ zu verzichten, sondern vorerst den englischen Begriff „carbon neutral“ zu verwenden.

„Carbon Neutrality“ können Dienstleistungen, Produkte, Unternehmen, Projekte und Veranstaltungen und weitere klar definierte Einheiten erreichen.

Überblick in 6 Schritten: Wie werde ich carbon neutral?

01

Verpflichtung zur Carbon Neutrality

Zuerst muss die oberste Leitung Ihrer Organisation sich klar zur Carbon Neutrality bekennen. Sie legt dazu eine Verpflicht­ungs­erklärung zur Carbon Neutrality fest, dokumentiert diese, setzt sie nachweislich um und sorgt für deren Aufrecht­erhaltung: Carbon Neutrality wird Chefsache.

02

Bilanzrahmen und Quantifizieren

Als erstes entscheiden Sie, ob Sie Ihr ganzes Unternehmen, ein Produkt/Dienstleistung oder Weiteres bilanzieren wollen. Entsprechend sollte der Bilanzierungs­standard als Grundlage zum Bestimmen Ihres Carbon Footprint festgelegt werden (ISO 14064-1 / ISO 14067 / GHG Protocol Corporate bzw. Product Standard).

Anschließend überlegen Sie, für welche Bilanz­grenzen und anhand welcher Wesentlich­keits­kriterien Sie Ihre Treib­haus­gas­emissionen erfassen.

Sind die Bilanzgrenzen festgelegt, kann der Carbon Footprint erstellt werden. Verfügen Sie bereits über ein Energie- oder Umweltmanagementsystem nach ISO 50001 oder ISO 14001, können Sie Ihre etablierten Strukturen und Daten auch für die Treibhaus­gasbilanz nutzen. Schauen Sie dafür gern in unseren Leitfaden vom Energie­management zum Klima­management.

03

Carbon Neutrality Management Plan / Klimastrategie

Die durch das Erstellen des Carbon Footprint gewonnenen Informationen können nun verwendet werden, um eine zielorientierte und nachhaltige Klima­strategie zu entwerfen.

  • in der Unternehmens­politik wird eine Treib­hausgas-Reduktions­strategie zum Erreichen von Carbon Neutrality verankert.
  • Sie setzen sich messbare mittel- und langfristige Reduktions­ziele bezogen auf einen Zeitraum im Vergleich zu einem Basisjahr.
  • Konkrete und realistisch durchführbare Maßnahmen sollten erkenntlich sein.

04

Umsetzen und Erreichen

Ihre Organisation setzt erfolgreich Maßnahmen zur Reduktion der THG-Emissionen um. Hierbei spielt nicht nur die eigene Emissionsreduktion eine Rolle, auch der Entzug von THG-Emissionen in Form von Senken wie Wäldern und Mooren oder durch technische Maßnahmen soll im Rahmen des Hierarchiemodells in die Klimastrategie aufgenommen werden. Zum Zieljahr sollen nur noch Emissionen übrig bleiben, die nicht weiter reduzierbar sind.

05

Kompensieren und Berichten

Unvermeidbare Treibhausgas­emissionen werden durch Investitionen in umwelt­relevante Projekte kompensiert, z.B. über internationale Standards wie Gold Standard oder Verified Carbon Standard (VCS). Dabei ist zu beachten, dass Kompensations­zertifikate in Ihrer THG-Bilanz nicht als Senke bilanziert werden dürfen. Die ISO 14068-1 stellt hohe Anforderungen an verwendete Kompensations­zertifikate. Ein wesentliches Kriterium ist unter anderem der Ausschluss einer Doppelzählung.

Auf Basis des Paris Agreement Artikel 6.4, der in den darauffolgenden Klima­konferenzen weiterentwickelt wurde, kann eine Doppelzählung der Emissions­einsparungen und -reduktionen durch Kompensationsprojekte nur ausgeschlossen werden, wenn sog. Corresponding Adjustments (CA) angewendet werden. Diese garantieren, dass die Reduktionen oder Einsparungen nicht schon in den Treibhausgasinventaren der jeweiligen Herkunfts­länder berücksichtigt wurden.

Der beschriebene Zyklus inklusive Kompensationen wird in einem Bericht zusammengefasst und veröffentlicht.

06

Verifizieren und Kommunizieren

Durch eine unabhängige Stelle werden Ihre Daten und Berechnungen sowie Ihre Maßnahmen geprüft – anhand von Unterlagen und vor Ort. Sind ggf. identifizierte Mängel nachweislich behoben, erhalten Sie einen Prüfbericht und ein Zertifikat zu Ihrer Carbon Neutrality.

Jetzt können Sie das Erreichte kommunizieren: Veröffentlichen Sie Ihre Bemühungen und Maßnahmen und stärken Sie so das Vertrauen Ihrer Kunden und der Gesellschaft in Ihr Unternehmen.

Staatliche Förderung auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität:
Transformationspläne

Das Förderprogramm „Transformationspläne in der EEW“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) setzt eine neue Wegmarke.

Was beinhaltet ein Transformationsplan und was wird gefördert?

01

Treibhausgasbilanz

Kosten für das Erstellen der Treibhausgasbilanz ggf. durch ­Berater, Messungen, Daten­erhebungen, Datenbeschaffungen und ­weitere Ausgaben

Zusätzlich wird die Verifizierung ­der Treibhausgasbilanz durch zugelassene Prüfgesellschaften gefördert.

02

Konkretes Ziels mit Zeitrahmen

Kosten für den Entwurf eines längerfristigen, konkreten Ziels
auf Grundlage der Treibhausgas­bilanz und das Festlegen eines Zeitrahmens für den Weg zur Klimaneutralität

03

Maßnahmenplan

Kosten für das Entwickeln eines konkreten realisierbaren Maßnahmenplans zum Erreichen der Ziele

 

04

Investitionen

Kosten für die Investition in mindestens eine Maßnahme aus Modul 4 oder dem Förderwettbewerb der „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ (EEW)

 

Voraussetzungen für die staatliche Förderung der
Trans­formations­pläne

Als Grundlage für den Transformationsplan dient eine Bilanzierung der Treibhausgase Ihres Unternehmens, der sog. Corporate Carbon Footprint. Dieser muss anhand von international anerkannten Standards erstellt werden, in diesem Fall der ISO 14064-1 oder des „Corporate Accounting and Reporting Standard“ des GHG-Protokolls.

In der Bilanz müssen laut Förderprogramm die direkten Emissionen (Scope 1) und die indirekten Emissionen aus dem Bezug von Energien (Scope 2), beispielsweise Strom und Wärme, enthalten sein. Die indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3) können optional bilanziert werden.

Aktuelle Änderung des Förderbestandes können Sie hier einsehen.

 

Drei Scopes: Welche Emissionen sollte man einbeziehen?

GHG 3 scopes

Scope 1: direkte Emissionen

Treibhausgase, die in der Organisation emittiert werden. Dies geschieht meist durch fossile Brennstoffe (Kohle, Gas, Öl), Kühl­mittellecks, chemische Prozesse oder den eigenen Fuhrpark.

Scope 2: indirekte Emissionen

Emissionen, die an anderer Stelle entstehen und über Energien und Betriebs­mittel wie Strom, Wärme, Druckluft oder Kühlung importiert werden. Hier können gemittelte Emissions­faktoren verwendet werden.

Scope 3: Weitere indirekte Emissionen

THG, die außerhalb der Organisations­­grenzen und Scope 2 auftreten. Es gibt 15 Kategorien, die vor- und nach­gelagerte Aspekte wie etwa Dienstreisen, Ent­sorgung und Transporte umfassen (FAQ).

Drei Typen von Carbon Footprint

Sie setzen sich mit den direkten und indirekten Einflüssen auseinander, die Ihre Arbeit auf die Umwelt hat, und das ist gut! Ob Corporate Carbon Footprint (CCF), Product Carbon Footprint (PCF) oder auch Carbon Footprint für einzelne Projekte: Mit einer funktionierenden Klimastrategie und einer unabhängig verifizierten THG-Bilanz helfen Sie, die Lebensgrundlage für kommende Generationen zu erhalten und Vertrauen zu schaffen.

Corporate Carbon Footprint

Das Bild eines Turmes

Was umfasst der CCF?

Der CO2-Fußabdruck für Unternehmen (CCF) setzt sich zusammen aus den direkten und indirekten Emissionen der gesamten Organisation: direkt im Unternehmen, an einem Standort oder Unternehmensteil.

Direkte Emissionen

Darunter versteht man z.B. die Emissionen des firmen­eigenen Kraftwerks oder des Fuhrparks, aber auch durch Industrieprozesse (zum Beispiel Zement- oder Kalkproduktion) verursachte.

Indirekte Emissionen

Indirekte Emissionen außerhalb der Unternehmens­grenzen umfassen etwa Reisen von Mitarbeitern und Kunden sowie Transporte.

Product Carbon Footprint

elektrische Produkte

Was umfasst der PCF?

Der CO2-Fußabdruck für Produkte (PCF) umfasst die Treibhaus­gase entlang der Wertschöpfungs­kette einer funktionellen Einheit - wie etwa einer Milch­packung, eines Schoko­riegels oder Autos.

Wertschöpfungskette

Die Kette beginnt bei der Rohstoff­gewinnung und führt über Produktion und Vertrieb bis zur Nutzung und Verwertung (Recycling).

Emissionen

Relevant sind alle direkten und indirekten THG (3 Scopes) der einzelnen Prozess­schritte - einschließlich Vorleistungen wie der Benzin­herstellung oder des Milchtransports.

Project Carbon Footprint

Lampe

Was bedeutet CF für Projekte?

Auf Projektebene werden die direkten Treibhaus­gase und wesentlichen Einfluss­faktoren mit und ohne Einspar­maßnahme ermittelt ("vorher / nachher"). Ein Projekt ist eine Maßnahme, für die die Einsparung berechnet wird.

Was kann das sein?

Es kann sich um technische oder organisatorische Änderungen zur Steigerung der Effizienz handeln, wie z.B. den Austausch einer Pumpe. Auch Kompensations­projekte in Entwicklungs­ländern sind möglich.

Methodik

Es gelten die gängigen Kriterien zur THG-Bilanzierung. Kompensations­projekte müssen strenge Kriterien erfüllen, wie bspw. die der finanziellen Zusätzlichkeit, Permanenz und vermiedenen Doppelzählung.

In vier Schritten zur Verifizierung

Die externe Prüfung durch eine unabhängige Stelle erhöht die Glaubwürdigkeit von Treibhausgasbilanzen. Oberstes Gebot ist, dass vollständig, unabhängig und ohne Interessenkonflikte geprüft wird, also dass die Verifizierungsstelle bei der THG-Bilanz in keiner Form mitgewirkt hat. Akkreditierte Zertifizierungsstellen werden durch die Akkreditierungsstellen der europäischen Staaten regelmäßig kontrolliert, in Deutschland ist das die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS). Nicht akkreditierte Zertifikate sollten sehr kritisch hinterfragt werden.

 

  • Auf der Seite der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) sind alle akkreditierten Verifzierungsstellen gelistet.
  • Branchenwissen und Erfahrungen sollten direkt bei der Verifizierungstelle abgefragt werden.
  • Die Prüfstelle benötigt für das Angebot Informationen zu Umfang und Komplexität der Treibhausgasbilanz, zum Beispiel:
    • Anzahl der Standorte
    • Beschreibung der Tätigkeiten
    • Beschreibung der THG-Quellen
    • Übersicht der Emissionen aus Scope 1-3

  • Das Prüfprogramm (Ablauf, Termine, benötigte Unterlagen) wird gemeinsam abgestimmt.
  • Die Verifizierungsstelle führt eine Strategie- und Risikoanalyse bezüglich der Methodik und Rahmenbedingungen Ihrer THG-Bilanz durch.
  • Sie erhalten anschließend den Auditplan als Agenda für die Verifizierung.

  • Die Prüfer benötigen Einsicht in die Ermittlungsmethodik Ihrer THG-Bilanz, u.a.
    • organisatorische & operative Berichtsgrenzen
    • erfasste Treibhausgasemissionen aus Scope 1-3
    • Emissionsfaktoren
    • Referenzwerte
    • Unsicherheiten
  • Die gelieferten Daten werden einer Prüfung unterzogen.
  • An den ausgewählten Standorten findet eine Begehung der Anlagen vor Ort statt.
  • Die Prüfer der Verifizierungsstelle fassen anschließend ihre Feststellungen zusammen.

  • Sie erhalten einen Prüfbericht mit einer Zusammenfassung der Befunde, Hinweise und Empfehlungen zur Verifizierung.
  • Außerdem stellt Ihnen der Verifizierer eine abschließende Prüfbescheinigung (Zertifikat) aus.
  • Je nach Verifizierungsstelle erhalten Sie zusätzliche Prüfzeichen für Ihre Kommunikation (intern und extern) - diese können Sie zum Beispiel auf Fahrzeugen, Produktverpackungen, Dokumenten, Werbemitteln (Roll-Ups, Banner) oder Ihrer Website platzieren, um Ihr Engagement für den Klimaschutz für Mitarbeiter, Kunden und Stakeholder direkt ersichtlich zu machen.

Die Prüfzeichen können beispielsweise so aussehen:

 

Häufige Fragen zum Thema Klimaneutralität

Was verursacht die globale Erwärmung?

Der Klimawandel wird durch den Treibhauseffekt herbeigeführt: Treibhausgase in der Erdatmosphäre lassen Sonnenwärme zwar in die Atmosphäre eindringen, behindern jedoch deren Abstrahlung zurück in den Weltraum. Viele dieser Gase sind natürliche Bestandteile der Erdatmosphäre. Durch menschliche Tätigkeit ist jedoch die Konzentration einiger Treibhausgase stark angestiegen. CO2 ist dabei das mengenmäßig am meisten durch menschliche Tätigkeiten erzeugte Treibhausgas: 63% der durch Menschen verursachten Klimaerwärmung wird darauf zurückgeführt.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist heute 40% höher als zu Beginn der Industrialisierung. Auch andere Treibhausgase werden in geringeren Mengen emittiert, behindern jedoch die Abstrahlung der Sonnenwärme zurück in das Weltall tausendfach wirksamer als CO2. 19% der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung ist auf das Treibhausgas Methan (CH4) zurückzuführen, 6% auf Distickstoffoxid (N2O). Den Rest machen vor allem fluorierte Gase aus. Die Menge der in der Atmosphäre natürlich vorkommenden Treibhausgase erhöht sich enorm, vor allem durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, die Abholzung von Regenwäldern und die Viehzucht.

Warum ist der Klimawandel ein ernstes Problem?

Steigende Durchschnittstemperaturen und der sich stetig erhöhende Meeresspiegel sind nur zwei der vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels. Er führt zu einer veränderten Klimavariabilität – starke kurzfristige Klimaschwankungen und häufigere Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hitzesommer sind die Folge.

Besonders bedrohliche Risiken sind die verringerte Qualität und Quantität von Trinkwasser und Anbaubedingungen für Grundnahrungsmittel. Auch das veränderte bzw. verlängerte Auftreten biologischer Allergene (z.B. Pollen) und das gehäufte Auftreten sogenannter Vektoren (Krankheitsüberträger wie Zecken oder Stechmücken) gibt Anlass zur Sorge. Die Verschiebung der Zeiträume, in denen Pflanzen wachsen, blühen und Früchte tragen hat zudem Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion.

Auch Wirtschaft und Verkehr werden beeinträchtigt: Straßen und Schienen werden von Starkregen unterspült und leiden unter hohen Temperaturen, Binnenwasserstraßen leiden unter Hoch- oder Niedrigwasser. Zudem beziehen viele Kraftwerke ihr Kühlwasser aus Flüssen und speisen es erwärmt wieder ein: Ist das Flusswasser zu warm oder durch Sommerhitze stark dezimiert, müssen Kraftwerke im Notfall abgeschaltet werden.

Was bedeutet Klimaneutralität? Was ist der Unterschied zwischen CO2-neutral und klimaneutral?

Klimaneutralität ist der Gleichgewichtszustand zwischen der Emission von Kohlenstoff und dessen Aufnahme aus der Atmosphäre in sog. Kohlenstoffsenken. Das bedeutet, Klimaneutralität ist erreicht, wenn keine Treibhausgase emittiert werden, die über jene hinausgehen, die durch die Natur oder sonstige Senken aufgenommen werden können.

Neben Treibhausgasen spielen jedoch auch weitere Indikatoren für die Erderwärmung eine Rolle, etwa die Verunreinigung von Böden und Gewässern, der Rohstoffverbrauch und die Biodiversität. Das Betrachten aller Umweltauswirkungen ist für das Klima unabdingbar, jedoch sehr komplex und mit großem Aufwand verbunden.

Deshalb liegt, konform zur Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, der Fokus zunächst auf dem ersten Schritt zur Klimaneutralität: den Treibhausgasen (CO2-Neutralität). Die Ende 2023 veröffentlichte Norm ISO 14068-1:2023-11 nennt diesen Zustand, an dem alle nicht vermeidbaren Emissionen kompensiert werden, also wenn THG-Emissionen und THG-Entzug sich die Waage halten, „Carbon Neutral“. Da die Norm noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, nennen auch wir es derweil Carbon Neutral.

Wie viel ist eine Tonne CO2?

Der Carbon Footprint wird über die Menge an CO2e in Tonnen angegeben. Wie kann man sich aber eine Tonne CO2 vorstellen? Hier ein paar Beispiele:

  • 9500 km mit einem Auto fahren
  • eine durchschnittliche Wohnung für 2 Monate beheizen
  • eine Flugreise für eine Person von Brüssel nach Marrakesch (~ 2350 km)
  • Die Menge an CO2 die eine Buche in etwa 80 Jahren Wachstum bindet
  • Das Volumen eines Würfels aus einer gasförmigen Tonne CO2 hätte unter Normalbedingungen eine Kantenlänge von acht Metern

Was ist das Global Warming Potential (GWP) und was sagen CO2-Äquivalente (CO2e) aus?

Bei der Erstellung von Treibhausgasbilanzen (Carbon Footprints) werden, wie der Name schon andeutet, nicht nur Kohlenstoffdioxid, sondern auch weitere klimaschädliche Gase (Treibhausgase) betrachtet. Diese klimarelevanten Gase wurden im Kyoto-Protokoll definiert und jährlich über das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) bewertet.

Neben CO2 werden beispielsweise Gase wie Methan (CH4), das hauptsächlich durch Landwirtschaft und Gasleckagen freigesetzt wird mit bilanziert. Ebenso dazu gehören verschiedene Kühlmittel, Lachgas (N2O) aus Düngemitteln und der chemischen Industrie und Schwefelhexafluorid (SF6), das als Isoliergas in der Hochspannungstechnik Verwendung findet.

All diese zusätzlichen Gase haben einen großenteils deutlich stärkeren Einfluss auf das Klima als CO2. Um die Relevanz der Gase anschaulicher vergleichen zu können wurde das sogenannte „Global Warming Potential“ (GWP) definiert.

Das GWP von Methan hat, bezogen auf die Wirkung über 100 Jahre, den Wert 28. Das bedeutet, dass die Auswirkung auf das Klima von 1 t Methan genauso schädlich ist wie die von 28 t CO2. Insbesondere teilhalogenierte oder perfluorierte Kohlenwasserstoffe haben oft vierstellige GWP Werte. Die Skala geht bis zu SF6 mit einem GWP von 23.500.

Um Carbon Footprints vergleichbar darstellen zu können, wird daher die gesamte Menge an Treibhausgasemissionen neben der Aufteilung in die einzelnen Gase auch in sogenannten CO2-Äquivalenten (CO2e) angegeben. Dabei werden nicht-CO2-Treibhausgase über ihr GWP in CO2e umgerechnet.

Ein Beispiel verdeutlicht dies:
Hätte ein Unternehmen eine Emissionsmenge von jährlich 100 t CO2 und 1 t CH4 betrüge der Carbon Footprint des Unternehmens 128 t CO2e.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Die Verantwortung für den Umweltschutz betrifft alle Branchen. Eine besondere Rolle kommt dabei jedoch emissions¬intensiven Branchen zu, wie z.B. der Energieerzeugung oder der Schwerindustrie (Stahl, Aluminium, etc.), zu denen bereits konkrete Maßnahmen im Klimapaket definiert wurden. Ebenfalls im Fokus stehen Unternehmen, deren Produkte direkt an die Endverbraucher geliefert werden (B2C), also etwa Lebensmittel- oder Automobilhersteller sowie die öffentliche Hand. Besonders die Lebensmittelbranche und der Handel kommen am Thema der Treibhausgasbilanzierung und Klimaneutralität nicht mehr vorbei.

Im Bereich B2B spielt Klimaneutralität für die Auftragsvergabe eine immer größere Rolle, im Bereich B2C kann sie das öffentliche Image, Absatzzahlen und damit Marktanteile beeinflussen. Als betroffene Unternehmen finden Sie hier nähere Informationen.

Ein ausführliches FAQ, das zusätzlich auch Themen der Bilanzierung, Verifizierung und Kommunikation behandelt, finden sie hier.

Sie möchten sich zu Klimabilanzen, CCF & Co. weiterbilden?

Die GUTcert Akademie bietet verschiedene Seminare rund um Carbon Footprint, Klimaneutralität und verwandte Themengebiete an. Ein Überblick:

01

Carbon Footprint

Nutzen Sie unsere Einsteiger-Webinare zum Carbon Footprint oder bilden Sie sich in zwei Tagen zum Klimamanagement-Beauftragten weiter, der im Unternehmen die Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität koordiniert.

Übersicht: Kurse zu Carbon Footprint

02

Emissionshandel

Der europäische Emissionshandel stellt Unternehmen vor erhebliche Hürden. Bei unseren Erfahrungsaustauschen lernen Sie, welche Fallstricke Sie in Dokumentation & Co. erwarten und wie Sie Ihre Compliance sichern.

Übersicht: Kurse zum Emissionshandel

03

Umwelt und Energie

Mit Managementsystemen für Umwelt (EMAS / ISO 14001) und Energie (ISO 50001) können Sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und sich weitere Vorteile sichern, z.B. verringerte Kosten, Compliance und Steuervergünstigungen.

Übersicht: Kursbereiche inkl. UMS und EnMS

 

Das GUTcert Carbon-Footprint-Team

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen eine Treibhausgasbilanz erstellen wollen und dafür eine unabhängige Prüfung durch eine akkreditierte Verifizierungsstelle anstreben, beantworten die Experten unserer Fachabteilung Ihre Fragen zum genauen Ablauf und erstellen bei Interesse ein unverbindliches Angebot. Nehmen Sie gerne über das Formular weiter unten mit uns Kontakt auf.

Aktuelle Informationen rund um Klimaneutralität, Carbon Footprint-Verifizierung und die Zertifizierung u.a. von Umwelt- und Energiemanagementsystemen erhalten Sie auch im GUTcert-Newsletter "GUT zu Wissen", den Sie hier abonnieren können.

David Kroll

+49 30 2332021-633

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Bitte addieren Sie 7 und 5.

Übersicht: Berater für Klimaneutralität

Sie wollen klimaneutral werden und sich auf dem Weg zu einer verifizierbaren CO2-Bilanz unterstützen lassen? Als akkreditierte, unabhängige Prüf-/Verifizierungsstelle bietet die GUTcert selbst keine Beratungsleistung an, die Liste der Berater dient der ersten Orientierung und erhebt keinen Anspruch auf eine qualitative Bewertung durch die GUTcert. Die Nutzung einer Beratungsleistung hat für uns keine Auswirkung auf eine Verifizierung oder Validierung. Es können jederzeit auch andere Berater/Fachinstitutionen von Ihnen eingebunden werden.

Netzwerke zur Klimaneutralität und Dekarbonisierung

Sie sind auf der Suche nach gleichgesinnten Unternehmen und wollen auf die Expertise von unterschiedlichen Lösungsanbietern aufbauen? Netzwerke und Initiativen bieten vielfältige Angebote: vom gemeinsamen Austausch bis zu Workshops von Experten auf dem Gebiet der Dekarbonisierung. Die Liste der Netzwerke und Initiativen dient der ersten Orientierung und erhebt keinen Anspruch auf eine qualitative Bewertung durch die GUTcert. Die Nutzung einer Netzwerkmitgliedschaft hat für uns keine Auswirkung auf eine Verifizierung oder Validierung. Es können jederzeit auch andere Netzwerke und Initiativen von Ihnen eingebunden werden.